![]() |
||||||||||
Vermessung und Bahnbestimmung der Doppelsterne Instrumentarium. Geeignet ist jedes größere Instrument mit entsprechendem Auflösungsvermögen. Falls sehr kleine Winkel im Bogensekundenbereich
gemessen werden sollen, arbeitet man am besten mit dem Instrumentarium einer Sternwarte oder größeren Volkssternwarte. Physische Doppelsterne bilden ein System mit zwei oder mehreren Sternen, die ihren gemeinsamen Schwerpunkt in geringem
räumlichen Abstand aufgrund der Gravitationsgesetze umkreisen. Die Umlaufbahn zweier Sterne liegt manchmal so nahe beieinander, daß die Oberflächen sich nahezu berühren und Materieströme (z. B. Protuberanzen) entlang der Feldlinien von
einem Stern zum anderen strömen, oder in solch weitem Abstand, daß die allg. Anziehungskraft der Galaxis fast überwiegt. Entsprechend reichen die Umlaufzeiten von wenigen Stunden bis einige Tausend und Millionen Jahre. AM Canum Venaticorum
besitzt mit 17 Minuten und 3 Sek. die kürzeste bekannte Umlaufzeit (Doppelsternnatur allerdings noch nicht gesichert), gefolgt von WZ Sagittae mit 81.6 Min. Umlaufzeit. Die Komponente von Zeta Herculis vollendet in 34 Jahren einen vollen
Umlauf. Im System Eta Orionis umkreisen 3 Sterne, Xi Ursae Majoris 4 Sterne und im System Alpha Geminorum (Castor) 6 Sterne einen gemeinsamen Schwerpunkt.Epsilon Lyrea (Vierfachstern) und Theta Orionis sind schon mit kleinem Fernrohr zu
trennende Mehrfachsysteme. Unter visuelle Doppelsterne fallen alle, die mit optischen Instrumenten in ihre Komponenten aufgelöst bzw. getrennt erscheinen. Die optischen Doppelsterne sind aufgrund sehr verschiedener Entfernung physisch
unverbunden und bilden nur perspektivisch ein Paar. Nächster Doppelstern ist der 4.35 Lichtjahre entfernte Toliman (Alpha Centauri). Toliman A+Komponente B+C wird auf insgesamt nur etwa 2-fache Sonnenmasse geschätzt
(Toliman-Komponete C = Proxima Centauri - geschätzte mittl. Distanz und Umlaufzeit: 10000 astronom. Einheiten, 10^61 Jahre). Astrophysikalische Sternmodelle sind ausschließliche auf das von der Doppelsternforschung zusammengetragene Material angewiesen, da nur die physisch
verbundenen Sterne eine zuverlässige Ableitung der Zustandsgrößen Masse, Dichte, Durchmesser usw. erlauben. Das statistisch erfaßbare Material vieler Doppelsterne reicht aus, um allgemeine Regeln (z. B. die Masse-Leuchtkraft Beziehung)
abzuleiten. Die Gesamtmasse (M=M1+M2) eines Systems (in Einheiten der Sonnenmasse - Sonne=1) ergibt sich z. B. aus dem 3. Keplerschen Bahngesetz: A^3/P^2 = M1+M2; (r*a)^3/P^2 = M1+M2: A=große Halbachse der Bahn in
astronomischen Einheiten; P=Umlaufzeit in Jahren; r=Entfernung des Doppelsterns von der Sonne in Parsec; a=große Halbachse der Bahn in Bogensekunden. Beispiel. Sirius halbe Bahnachse der Komponente a=7.5''. Sirius jährl.
Parallaxe 0.3749''. Halbe Bahnachse in astronomischen Einheiten: A 20.0053347559 AE = a 7.5''/0.3749''. n=DEG(SQR((3.191063199375*0.000295912208)/20.0053347559^3))*365.25.
Bahnbewegung n=7.1869275 Grad pro Jahr (n=360/P 50.09). Die berechnete, auf den
hellsten Stern des Systems bezogene Bahn der Komponente ist eine relative, weil in Wahrheit beide Sterne den gemeinsamen Schwerpunkt umlaufen. Bei bekannten Bahnradien um den gemeinsamen Schwerpunkt, deren Lage astrometrisch gemessen wird,
erhält man die Masse einzeln aus der Proportion: M1/M2 = a2/a1, M1=a2*M2/a1. Dynamische Parallaxe: Katalogbezeichnungen mit Kennbuchstaben: W. Herschel = H, J. Herschel = h = HJ, W. Struve = Bei ausreichendem Kontrast sind wohl
noch kleinere Objekte als der Durchmesser des Beugungsscheibchens (db') geteilt durch 2.44 (db'/2.44) auszumachen, aber die wahre Gestalt der abgebildeten Obejkte ist nicht mehr ersichtlich. d=2.44*0.00056/(O/F); db=d*206264.8063/F; d=Durchmesser des
Beugungscheibchens in Millimeter, F=Primärbrennweite des Objektivs (mm), O=Durchmesser der Objektivöffnung (mm); db=Durchmesser des Beugungsscheibchens in Bogensekunden. Relative Größe des Beugungsscheibchens bei einem Okular von f=10 mm Brennweite: (0.013664 mm /10 mm)*57.295779513 = 281.84'' = 4.69733'. Bildvergrößerung V
100fach =F/f. db=2.8184*V 100 = 281.84''. Wegen des Helligkeitsabfalls gegen den Rand des Beugungsscheibchens werden de facto noch kleinere Abstände getrennt. Das
Auflösungsvermögen des Fernrohrs ist erreicht, wenn die Distanz zweier Beugungsscheibchen etwa 1/2.44 des Durchmessers entspricht (d/2.44, db/2.44). Auflösung für O=100 mm, F=1000m = db=2.8184/2.44 = 1.16'' (die Luftunruhe kann allerdings
die Auflösungsgrenze beträchtlich erhöhen). Scheinbarer Winkeldurchmesser des Planeten Jupiter 40'' (Bogensekunden)/3600'' = 0.01111°*300fache Vergrößerung = 3.3333°.
40''* F 4000 mm / 206264.81'' = Jupiterdurchmesser im
Brennpunkt 0.7757 mm * 300fach = 232.71 mm. Das Teleskop löst also theoretisch 232.71 mm / 2.24 mm = 103.89stel (=0.96 %) des Jupiterdurchmessers auf = 3.3333°/ 0.032086° = 103.89stel. Auflösungsvermögen des Auges: w'' = 140'' /
Durchmesser der Augenpupille oder Austrittspupille des Fernrohrs d (d=Objektivöffnung/Vergrößerung) in Millimeter. Die Pupille des nachts dunkel adaptierten Auges hat einen Durchmesser von
6-8 mm. Austrittspupille des Fernrohres demnach d=6 mm = O 300/ 50x. Normalvergrößerung des Teleskops 50x. Entsprechende Okularbrennweite f=80 mm = F=4000 mm / 50x. Die Auflösungsgrenze des Auges bzw. förderliche Vergrößerung ist mit dem
6fachen der Normalvergrößerung erreicht: 50x * 6x = 300fach. Ein Okular mit z. B. 20° scheinbarem Gesichtsfeldradius besitzt bei 300facher Vergrößerung einen wahren Gesichtsfeldradius von 20/300x = 0.06667° = 240''. Ein Stern, der pro
Zeitsekunde 15''*cos(dek=Deklination des Sterns) Winkelsekunden zurücklegt, braucht somit am Himmelsäquator (dek=0°) 16 Sekunden und bei dek=50° 24.9 Zeitsek. für die Strecke Gesichtsfeldmitte bis zum Verschwinden am Rand der Okularblende.
Bei 300x und F=4000 mm hat Jupiter 232.71 mm Durchmesser = Jupiterdurchmesser aus 4 Metern (=F 4000 mm) Abstand gesehen, aus 57.29578 cm (Armlänge) gesehen 232.71 mm * 57.29578 / 4000 mm = 3.3333 cm. Bei 300x hat Jupiter somit einen Durchmesser von 3.33 cm mit 20 cm Gesichtsfeldradius, gesehen aus 57.295788 cm. Aus 30
cm Abstand gesehen, besitzt Jupiter einen Durchmesser von 3.33 cm/57.29578*30 cm = 1.743 cm. Gesichtsfeldradius 20 cm/57.29578*30 cm = 10.47 cm. Positionswinkel
(P) und Distanz (d) legen die Positionen der Komponenten (B,C...) gegenüber dem zumeist helleren Hauptstern (A) fest. Eine Ephemeride der Größen P u. d kann bei bekannten Bahnelementen erstellt werden. Bahnelemente für Größe
und Form der Bahn. U=Umlaufzeit in Jahren bzw. n=mittlere jährliche Bewegung (in Grad): U=360/n; n=360/U. Bahnelemente für Raumorientierung der Bahnlage, Äquinoktium der Epoche: i=Neigungswinkel der wahren gegen die scheinbare Bahnebene (Tangentialebene
des Himmels). Die Projektions- bzw. Tangentialebene (=an die Sphäre projizierte scheinbare Bahnebene) verläuft rechtwinklig zur Erde und Hauptstern verbindenden Gerade bzw. Sichtlinie durch den Hauptstern des Doppelsternsystems (Fig. 9).
0°=<i<90° für rechtläufige Bewegung der Komponente (zunehmender Positionswinkel), 90°<i<180° für rückläufige Bewegung (oder i<90° und mittlere jährliche Bewegung [-n] negativ nehmen). W = Positionswinkel (ab Nordrichtung N, die der durch den Hauptstern verlaufende Rektszensionskreis definiert)
des aufsteigenden Knotens der wahren Bahnebene mit der Tangentialebene.
Der Positionswinkel des aufsteigenden Bahnknotens ändert sich durch die Verschiebung der Nordrichtung infolge der Präzession der Äquinoktien um 0.00557°*SIN( Raumorientierte Bahnelemente beziehen sich daher auf eine bestimmte Epoche der Äquinoktien (B1900, B1950, J2000 o.a.). z = Argument des Periastrons. Länge des Periastrons ab aufsteigendem Bahnknoten (W), gemessen in der wahren Bahnebene und in Bewegungsrichtung (0°<=z<=360°). Falls e=0, z
=0° setzen, wobei T gleich dem Zeitpunkt des Knotendurchgangs ist. Mittlere Anomalie der Bahn: M=n*(t-T) oder M=(360/P)*(t-T). Exentrische Anomalie der Bahn (ex): Wahre Anomalie: Radiusvektor: r=a*(1-e*COS(ex)) oder r=(a*(1-e^2))/(1+e*cos( tan(p-
Alternative Bahnberechnung mit Gauss'schen Konstanten (Thiele-Innes-Elemente A,B,F,G): A=a*(cos( X=COS(ex)-e; Y=SQR(1-e^2)*SIN(ex); kartesische Rechteckkoordinaten: x=A*X+F*Y, y=B*X+G*Y.
Polarkoordinaten: Distanz d=SQR(x*x+y*y), Positionswinkel p=FN r(ARCTAN((d-x)/y)*2)
Fig. 9 zeigt die Bahnlage der Komponente B um den Hauptstern A. E=Ostrichtung (E=engl. east) N=Nordrichtung des Himmels, S=Südrichtung (Nord-Rüd-Richtung = durch den Hauptstern A verlaufender Rektaszensionskreis,
Ost-West-Richtung = Deklinationskreis durch A). Messbar ist der Positionswinkel (p=N-C) der Komponente B und die scheinbare Winkeldistanz (d=A-C), die mit den Bahnelementen durch folg. Gleichungen verbunden sind.
N-D bildet den Positionswinkel des aufsteigenden Bahnknotens (
Der Winkel i (=B-C) bezeichnet den Neigungswinkel der wahren mit der scheinbaren Bahn. Scheinbare Winkeldistanz d = r*cos(B-C); r=Radiusvektor; F=Periastron der Bahn.Winkel D-F = arccos
Rechtwinklige Koordinaten (x,y) bzw. Polarkoordinaten (Winkeldistanz und Positionswinkel d,p) des Begleitsterns
relativ zum Hauptstern, gewinnt man durch Anschlußbeobachtung mit einem Positionsfadenmikrometer, Brechungsgittermikrometer oder durch Ausmessung von Photographien bzw. CCD-Astro-Aufnahmen.
Rechtwinklige Koordinaten: x=d*SIN(p), y=d*COS(p). AR,dek = Rektaszension und Deklination des Hauptsterns A (in GRAD); AR1,dek1 = Rektaszension u. Deklination der Komponente.
Die Bahnen lichtschwacher Doppelsterne (>9 mag) sind noch weitgehend unerforscht. Für die Messung lichtschwacher Sternpaare ist allerdings ein Fernrohr mit mindestens 40 cm Öffnung notwendig, das noch viele
Volkssternwarten zur Verfügung stellen (die astronom. Arbeitgemeinschaft »Walter-Hohman-Sterwarte e. V.« in 4513 Essen, verfügt z. B. über ein Refraktor mit 15 cm Öffnung, zwei 30 cm Spiegelteleskope und ein 56-cm Spiegelteleskop).
Der Himmelsglobus berechnet u.a.die Ephemeriden vieler Doppelsterne. Fig. 10 (Abb. ähnlich).
Eine Messung besteht aus dem Mittelwert einiger Positionswinkel- und Distanzmessungen. Distanzmessung: Feste
Fadenkreuzmitte auf Stern A einstellen und Querfaden auf die Verbindungslinie des Sternpaares A-B drehen, so daß dieser durch den meist helleren Haupt- (A) u. Begleitstern (B) verläuft.
Mehrmals hin und zurück messen. Fadenkreuzmitte Haupstern A. Distanzmessung Hauptstern A zu Komponente B in Millimeter (''/mm) oder in Meßtrommelumdrehungen (''/Umdrehung). Fadenkreuzmitte Begleitstern B.
Distanzmessung Komponente B zu Hauptstern A.
Das Mikrometer wird so gedreht, daß der Querfaden durch Hauptstern und Komponente verläuft und diese Position (0=<p<360) abgelesen. Positionswinkelmessung mehrmals wiederholen und den Mittelwert bilden (evtl.
Nullpunktabweichungen korrigieren). Das Gesamtlicht des Systems folgt aus der Helligkeit der Komponenten:
max=-2.5*LOG10(10^(-0.4*m1)+10^(-0.4*m2)). Helligkeit Hauptstern m1=4.31 mag, Komponente m2=4.96 mag: Gesamthelligkeit 3.84 mag. Speziell bei Doppelsternen ist zudem der Positionswinkel (p) für Eigenbewegung des Systems zu korrigieren: Die obige Korrektur in Positionswinkel für Eigenwegung entfällt, wenn die geometrischen Bahnelemente a, i,
dl,db=jährl. Eigenbewegung in AR u. in Deklin. des Hauptsterns. s=SQR((dl*COS( Jährliche Änderungen. Die gemessenen scheinbaren Winkeldistanzen (d) sind von Refraktion und Aberration zu befreien. Die vor Bestimmung der Bahnelemente anzubringenden Reduktionen sind bereits eingangs beschrieben. Orthochromatisches Filmmaterial ist mehr grün-blau- (rote Sterne werden geringer geschwärzt als gleichhelle blaue),
panchromatisches Material gelb-rot-empfindlich (rote Sterne werden daher wesentlich größer als blaue abgebildet). Meßfehler wegen mangelnder Senkrechtstellung der Platte zur optischen Achse, Verzeichnungen von Aufnahme- u.
Reproduktionsoptik, unterschiedlicher Maßhaltigkeit des Plattenmaterials, sind nur durch sachgerechte Behandlung und Verwendung bester Mechanik, Optik u. Materialen zu mindern.
Der Computer ermöglicht auch dem Amateurastronomen CCD-Kamera Aufnahmen mit einer Präzision auszumessen, die an den professionellen Koordinatenmeßapparaten astronom. Institute heranreichen (vgl. SuW,
Heft 8-9, S. 680-684). Damit können auch lichtschwache Doppelsterne zuverlässig vermessen werden. Die Speckle-Interferometrie (auch mit CCDs) wird bei engen Doppelsternen eingesetzt: W.S. Finsen, Union Obs.
Circular Nr. 114, Johannesburg 1954). Alle Rechte vorbehalten (all rights reserved), auch die der fotomechanischen Wiedergabe und der Speicherung in elektronischen Medien, Translation usw. Dasselbe gilt für das Recht der öffentlichen Wiedergabe. Copyright © by H. Schumacher, Spaceglobe |
||||||||||
Sternbeobachter - Sterntagebuch - Produktinformation - www.spaceglobe.de |
||||||||||